27.01.2015 ... Presseschau

Nach den Rechten sehen: 27. Januar 2015 - Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus +++ Dresden: Rechtsextreme verprügeln Asylbewerber am Pegida-Sonntag +++ Aktionen gegen Pegida: Zehntausende Dresdner_innen feiern für mehr Toleranz.

27. Januar 2015 - Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

NS-Zeit: „Ich konnte nie wirklich Kind sein“
Ein Besuch bei Edith Bader-Devries im jüdischen Seniorenheim in Düsseldorf (wz).

"Niemand hat gesagt: Es tut mir leid"
Eine 84-jährige und eine 93-jährige Holocaust-Überlebende blickten bei Günther Jauch zurück und nach vorn. Sie warnten angesichts von Terror und Antisemitismus: Beobachtet, was derzeit geschieht (stern.de).

"Wir wissen erst höchstens 20 Prozent über den Holocaust" 
Auch 70 Jahre nach der Auschwitz-Befreiung sei die Forschung auf manchem Gebiet erst am Anfang, sagt Bernward Dörner, Professor für Neuere Geschichte am Institut für Antisemitismusforschung der TU Berlin, im DLF. Gerade weil fast ein Fünftel der Bevölkerung antisemitische Ressentiments hegen, sei reflektierte Erinnerung wichtig. "Wir wissen erst höchstens 20 Prozent über den Holocaust" - mit dem Zitat des Forschers und Holocaust-Überlebenden Raul Hilberg weist Bernward Dörner auf die Notwendigkeit einer Holocaust-Forschung hin. Das Wissen sei noch so gering, weil Täter die Quellen systematisch vernichtet oder lange geschwiegen hätten, zudem "sterben Zeitzeugen weg". Die Auschwitz-Erinnerung sei jedoch wichtig, um zu verstehen, wie es zu "Zivilisationsbruch und Völkermord kommen konnte", sagte Dörner. Beim Überliefern reflektierter Erinnerung steige künftig die Rolle von Quellen und Interviews. Diese bewegten Bilder und gedruckten Erinnerung gelte es zu diskutieren (DLF).

Auschwitz als universale Krisenmetapher
Auschwitz ist wie kein anderer Ort zum Symbol für die Hölle des Holocaust geworden. Der 27. Januar hat mittlerweile das Ziel, alle Formen von religiöser Intoleranz oder Gewalt gegen Menschen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft oder ihres religiösen Bekenntnisses zu verurteilen. Auschwitz wird so zu einer universalen Krisenmetapher (publikative.org).

“Good, old-fashioned antisemitism”
Am 22. Januar 2015 ist im New Yorker Stadtrat über eine Resolution gesprochen worden, die in Gedenken an den 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau verabschiedet werden sollte. Aktivisten, die auf dem Balkon der Kammer saßen, unterbrachen jedoch die Sitzung mit lautem Gebrüll und entrollten eine Flagge Palästinas. David Greenfield (Democrat) hielt daraufhin eine bemerkenswerte Rede (publikative.org).

Studie: Deutsche blicken skeptisch auf Israel

50 Jahre nach Aufnahme der diplomatischen Beziehungen haben 36 Prozent der Deutschen eine gute Meinung, 48 Prozent hingegen haben eine schlechte Meinung über Israel. Unter den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 54 Prozent. Deutlich ablehnend ist die Haltung zur israelischen Regierung. 62 Prozent der Deutschen bewerten sie negativ. Damit ist die Haltung der Deutschen zu Israel ablehnender als die Haltung jüdischer Israelis gegenüber Deutschland. Das sind Ergebnisse der Studie der Bertelsmann Stiftung „Deutschland und Israel heute: Verbindende Vergangenheit, trennende Gegenwart?“. Der Studie zufolge bestimmt die Wahrnehmung des israelisch-palästinensischen Konflikts zunehmend das Israel-Bild der Deutschen. Zwar meinen Israelis (74 Prozent) und Deutsche (61 Prozent) mehrheitlich, dass sich aus der Geschichte eine besondere Verantwortung Deutschlands ergibt. Auseinander gehen jedoch die Erwartungen, wie die deutsche Politik diese Verantwortung wahrnehmen soll. So erhoffen sich 84 Prozent der Israelis von der Bundesregierung eine politische Unterstützung ihrer Position im Nahostkonflikt. Jeder zweite Deutsche lehnt dies allerdings ab (Gueterslohtv).

Das Grauen von Auschwitz ist nicht wirklich vorbei

70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslager grassiert in Europa wieder Antisemitismus, Juden schmieden wieder Exilpläne. Das stellt ernste Fragen nach der menschlichen Lernfähigkeit (Welt).

Interview mit Charlotte Knobloch: Antisemitismus in Deutschland

Nach den Anschlägen in Paris gab es auch in Deutschland Kundgebungen, an denen Muslime und Juden gemeinsam gegen den Terror demonstrierten. Zeichnete sich hier eine neue Solidarität ab? Im Gespräch mit der Neuen Züricher Zeitung äussert sich Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, sehr skeptisch.

Dresden: Rechtsextreme verprügeln Asylbewerber am Pegida-Sonntag

Ein libyscher Asylbewerber ist am Sonntagabend in der Dresdner Innenstadt von vier Männern zusammengeschlagen worden. Wie die Polizei am Montag mitteilte, ereignete sich der fremdenfeindliche Angriff an einer Straßenbahnhaltestelle. Einer der Tatverdächtigen habe den Hitlergruß gezeigt und "Ausländer raus!" sowie "Deutschland den Deutschen!" gebrüllt. Der Libyer konnte schließlich vor den Angreifern flüchten. Einer der Angreifer warf eine Bierflasche nach ihm. Das Operative Abwehrzentrum Sachsen der Polizei hat die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung übernommen (Sueddeutscheaddn).

Pegida aktuell - Die Demonstrationen

Berlin: 550 Bärgidas / 1.000 Gegendemonstrant_innen (rbb)
Brandenburg / Havel: 170 Menschen bei BRaMM, 500 Gegendemonstrant_innen (rbb)
Braunschweig: 320 Bragidas / 2.500 Gegendemonstrant_innen (NDR)
Düsseldorf: 110 Dügidas, 600 Gegendemonstrant_innen (Welt)
Duisburg: 300 Pegidas, davon ein Drittel Hooligans (DerWesten), 950 Gegendemonstrant_innen (DerWesten)
Frankfurt am Main: 60 Pegidas, 4.500 Gegendemonstrant_innen (Echo)
Fulda: 650 Menschen demonstrieren unter dem Motto "Fulda stellt sich quer"; auch "Fugida" hatte zur Teilnahme aufgerufen, sie seien ja auch gegen Rassismus und Antisemitismu (FR)
Gießen: 25 Teilnehmer_innen bei islamfeindlicher Demo, 600 Gegendemonstrant_innen (FAZ).
Hannover: 240 Hagidas, 2.700 Gegendemonstrant_innen, 29 Personen verletzt (24 Polizisten, 5 Demonstranten) (Spiegel)
Kassel: 110 Kagidas, 300 Gegendemonstrant_innen (FR)
Magdeburg: 800 Magidas, 2.000 Gegendemonstrant_innen (mdr)
München: 850 Bagidas, 2.300 Gegendemonstrant_innen (BRERB)
Schwerin: 500 MVGidas, 500 Gegendemonstrant_innen (NDR)
Suhl: 1.000 Sügidas, davon 350 bekannte Rechtsextreme, 600 Gegendemonstrant_innen (mdr)
Villingen: 80 bei SbH-Gida, 600 Gegendemonstrant_innen (SchB)
Würzburg: 150 Wügidas, 900 Gegenedemonstrant_innen (BR)

Gegenaktionen:

Heidelberg: 500 Menschen bei "NoGida" (mrn-news).
Karlsruhe: 1.000 Menschen gegen Pegida (swr)
Paderborn: 1000 Menschen bilden eine «Menschenkette für religiöse Vielfalt und Toleranz»  (Welt)
Trier: 1.000 Menschen bei "Trier für alle" (Volksfreund.de)

Aktionen gegen Pegida: Zehntausende Dresdner_innen feiern für mehr Toleranz

Vor der Frauenkirche versammeln sich nach Angaben des Veranstalters bis zu 30 000 Menschen für ein weltoffenes Dresden. Auch in anderen Städten stellen sich Tausende den radikalen Ablegern von Pegida entgegen. Bei einem Konzert in Dresden, wo Pegida seinen Ursprung hat, treten unter dem Motto "Offen und bunt. Dresden für alle" unter anderem Herbert Grönemeyer und die Band Silly auf. Dabei sind auch der Sänger der Kölner Band BAP, Wolfgang Niedecken, Sebastian Krumbiegel von Die Prinzen, Adel Tawil, Gentleman und Jeannette Biedermann. Alle Künstler verzichten laut Angaben der Veranstalter auf Gagen. Statt langer Reden gibt es zwischen den Auftritten nur einzelne kurze Statements. BAP-Sänger Wolfgang Niedecken bezeichnet die Pegida-Demonstranten als "Aufstand der Ignoranten". Zehntausende kommen auf den schnell überfüllten Neumarkt. Die Veranstalter sprechen derzeit von 30 000 Teilnehmern. Darunter sind allerdings auch Pegida-Anhänger und deren Frontfrau Kathrin Oertel (Porträt). Sie skandieren immer wieder: "Wir sind das Volk." Pegida hatte wegen der Gegenveranstaltung ihre ursprünglich wieder für Montag geplante Demonstration um einen Tag auf Sonntag vorgezogen (sueddeutsche).

Staatsanwalt ermittelt gegen Sügida-Initiatorin

Gegen die Initiatorin der Sügida-Demonstrationen in Suhl besteht ein Anfangsverdacht wegen Volksverhetzung. Die Kripo untersucht ausländerfeindliche Facebook-Einträge. Die Anmelderin der Sügida-Demonstrationen in Suhl, Yvonne W., muss möglicherweise mit einer Anklage wegen Volksverhetzung rechnen. "Auf Grund von verschiedenen Äußerungen im Internet besteht der Anfangsverdacht auf Volksverhetzung", sagte der stellvertretende Pressesprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Meiningen, Markus Knapp, der Thüringer Allgemeinen.

Pegida und Neonazis: Organisierte Wut

Sie sind da, sichtbar und offenbar geduldet: Die gut organisierte Neonazi-Szene mischt sich unter die islamfeindliche Pegida-Bewegung. Bei Aufmärschen ist sie ein fester Bestandteil - nicht nur in Dresden (DW).

Beobachtet der Verfassungsschutz die Pegida-Bewegung?

Tausende folgen den Aufrufen von Pegida und Pegida-Ablegern. Das war am Sonntag so in Dresden und gestern in Magdeburg und in Suhl. Ein großer Teil der Demonstranten ist nicht rechtsextrem. Das haben frühere Befragungen ergeben. Aber wie versuchen Rechtsextreme die Demonstrationen zu nutzen? Welchen Einfluss haben sie? Unser Reporter hat mal nachgefragt, was Verfassungsschützer in Mitteldeutschland darüber wissen (mdr).

Digitaler Stammtisch: Ohne Facebook kein Pegida

Pegida ist auf Facebook extrem erfolgreich. Binnen vier Monaten hat die Bewegung rund 155.000 Fans gesammelt. Soziale Medien sind essenziell für den Erfolg von Pegida. Sie dienen zur Mobilisierung und Aktivierung der Anhänger. Im Vergleich zu Facebook spielt Twitter kaum eine Rolle für Pegida. Dort sind vor allem Gegner der Bewegung unterwegs (sueddeutsche.de).

Kein Patentrezept gegen Pegida

Die Diskussion über den Umgang mit der Protestbewegung nimmt kein Ende. Das kann Ausdruck selbstbewusster Streitkultur sein, aber auch ein Zeichen der Hilflosigkeit. Manchmal ist es beides gleichzeitig (DW).

Sächsischer Minister trifft Pegida-Team: Auch Kathrin Oertel gehört zu Sachsen

Sachsens Innenminister Ulbig (CDU) hat sich mit den Pegida-Organisatoren getroffen. Eigentlich hat die Landesregierung bisher immer Gespräche mit Pegida-Organisatoren abgelehnt. Doch Ulbig schielt auf ein neues Amt (Spiegel online). Dagegen kritisiert Horst Seehofer (CSU) treffen mit Pegida - besonders das von Sigmar Gabriel (Spiegel).

Pegida-Ableger in der Schweiz: Burka-Verbot und Abschiebungen

Einer der Gründer der Pegida Schweiz kommt aus der rechtsextremen und neonazistischen Szene. „Nopegida Schweiz“ ruft zur Gegendemo auf. Der von einem Aktivisten der rechtsextremen und neonazistischen Politszene der Schweiz initiierte Pegida-Ableger hat für den 16. Februar zu einer ersten Demonstration aufgerufen. Zur Mobilisierung für die Kundgebung, für die auch der Auftritt der Mitgründerin der Alternative für Deutschland (AfD), Tatjana Festerling, angekündigt wurde, stellte die Pegida Schweiz vergangene Woche ein Video ins Internet (taz).

Studie über Pegida-Gegner: Jung, kinderlos, weiblich

Zehntausende Demonstranten protestieren in Deutschland gegen Pegida. Doch wer sind sie? Eine neue Studie zeigt die Unterschiede zur Anti-Islam-Bewegung - doch es gibt auch eine Gemeinsamkeit. Mit den Pegida-Demonstrationen haben sich in letzter Zeit gleich mehrere Forschungsinstitute beschäftigt. Im Großen und Ganzen waren sich die Wissenschaftler dabei über die Teilnehmer einig: An den Aufmärschen nehmen überwiegend männliche Sachsen zwischen 45 und 50 Jahren teil. Doch die Zusammensetzung der in ganz Deutschland aktiven Gegenbewegung war noch weitgehend unbekannt. Das Göttinger Institut für Demokratieforschung hat jetzt insgesamt 628 Teilnehmer von NoPegida-Demonstrationen in Braunschweig, Duisburg und Leipzig befragt. Die Anti-Pegidisten sind nicht nur besonders jung, sondern auch in großer Zahl Single und kinderlos. 58 Prozent der von uns befragten Gegner der Anti-Islam-Bewegung haben keinen Nachwuchs (bei ihren Pendants sind es lediglich 29 Prozent). Die Opposition zu Pegida ist überdies erheblich weiblicher: Der Anteil von Frauen bei den Befragungen des Göttinger Instituts macht fast 40 Prozent aus (bei Pegida sind es gut 18 Prozent) (Spiegel online).

Chemnitz: Flüchtling aus Tunesien zusammengeschlagen

In Chemnitz wurde ein 36-jähriger Asylbewerber aus Tunesien am Sonntagabend von mehreren Unbekannten zusammengeschlagen und schwer am Kopf verletzt. Zeugen beobachteten, wie die Angreifer anschließend in zwei Autos verschwanden. Am Tatort wurde ein Metallrohr als mögliche Tatwaffe sichergestellt. Wie die Polizei mitteilte, könnte es sich bei den Tätern um Tschetschenen gehandelt haben. Das Motiv sei unklar. Auch hier werden Zeugen gesucht (kurier.at).

Rechtsextreme in Thüringen im Aufwind

Als Ralf Wohlleben Ende November 2011 von der Polizei abgeführt wurde, verlor die Neonazi-Szene Thüringens eines ihrer Symbole. Wie kein anderer Rechtsextremist im Freistaat verkörperte Wohlleben die Nähe zwischen Freien Kameradschaften und NPD. Heute sitzt der ehemalige stellvertretende Vorsitzende der Partei und mutmaßliche Unterstützer des Terrortrios vom Nationalsozialistischen Untergrund hinter Beate Zschäpe im NSU-Prozess. Er schweigt beharrlich. Auch die rechte Szene in seiner Heimat wurde ohne ihn zunächst ruhiger. Das Bekanntwerden der NSU-Morde 2011 schnürte die Radikalen ein. Plötzlich wurde überall ermittelt, für die Sicherheitsbehörden hatte die Szene höchste Priorität. Doch Thüringens Neonazis sind im Moment so selbstbewusst wie seit Jahren nicht mehr. Mit dem Erfolg der Pegida-Bewegung wittern sie Morgenluft. "In Thüringen haben sie gerade richtig Aufwind", warnt die Landtagsabgeordnete Katharina König , Antifaschismus-Sprecherin der Linken (Thüringer Allgemeine).

AfD: Alternativ gegen Erwerbslose

Vom 29. Januar bis zum 1. Februar findet in Bremen der Bundesparteitag der „Alternative für Deutschland“ AfD statt. Die AfD ist eine rechte Partei mit einem nationalistischen, rassistischen und sexistischem Programm. Einer ihrer inhaltlichen Schwerpunkte ist dabei die Hetze gegen all die, die Unternehmensgewinnen und niedrigen Staatskosten im Wege stehen. Das sind: All die, die Arbeiten gehen und davon leben müssen und all die, die keine Arbeit haben oder deren Lohn zu gering ist und deswegen aufstocken müssen. Also: Wir. Ein Schwerpunkt der AfD ist die Hetze gegen uns. Sie beschimpft uns als faul, als Ballast, als unnütz und überflüssig. Das kennen wir auch schon aus dem Jobcenter oder von der Arbeit. Nicht zufällig wohl ist der Anleiter der AfD für Bremen-Nord und Bürgerschaftskandidat Christoph Seidl auch Coach für die Jobcenterangestellten. Hier kommt inhaltlich zusammen was zusammen gehört: Sozialchauvinismus und Nationalismus. Nicht um uns, um unsere Bedürfnisse geht es, sondern darum was wir „kosten“ (Bremer Erwerbslosenverband).

AfD Gütersloh: "Wissenskongresse" mit Verschwörungstheoretikern und Rechtspopulisten

„Ich bin nicht rechts“, sagt Udo Hemmelgarn (55), der Kreis- und Bezirksvorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD). Der Harsewinkeler gehört gleichwohl zu jenen AfD-Mitgliedern, die zur Durchführung alternativer Wissenskongresse einen Verein gegründet haben. Die Referenten der ersten Veranstaltung werden mit rechtspopulistischen und verschwörungstheoretischen Positionen in Verbindung gebracht. Am Sonntag, 22. März, sollen ab 10 Uhr unter der Überschrift „Demokratie in Gefahr – wer regiert Deutschland?“ der Journalist Jürgen Elsässer, der Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider, der Ökonom Eberhard Hamer sowie der Unternehmer und Polit-Satiriker Andreas Popp sprechen. Sie wollen sich mit der Rolle der Medien, der Europäischen Zentralbank und des Euro-Rettungsschirms, der Großkonzerne sowie der Banken befassen. „Wir wollen den Menschen die Möglichkeit geben, sich abseits des Mainstreams zu informieren und zum Denken anregen“, sagt Hemmelgarn. Ja, so kann man es auch nennen, wenn man ausgewiesenen Verschwörungstheoretikern und Demokratiefeinden ein Podium bietet (Die Glocke).

„Wir wollten die Opfer nicht romantisieren“

Mit „Wir sind jung. Wir sind stark“ läuft seit Donnerstag ein Film in den Kinos, der die Ereignisse thematisiert, die unter dem Stichwort „Rostock-Lichtenhagen“ in die jüngere deutsche Geschichte eingegangen sind. Vom 24. auf den 25. August 1992 zündete ein wütender Mob – darunter viele Jugendliche – ein Asylbewerberheim an, in dem sich 120 Vietnamesen, städtische Angestellte und ein ZDF-Team befanden. Samstagabend hat der Regisseur Burhan Qurbani seinen Film in der Schauburg vorgestellt – Iris Hetscher hat im Vorfeld mit ihm gesprochen (Weser-Kurier).

Köln: Neuauflage von „Birlikte“ geplant

Die Stadt Köln, das Schauspiel Köln, die AG „Arsch huh“ und die IG Keupstraße planen eine Neuauflage von „Birlikte“, dem Fest gegen Rassismus, in Köln-Mülheim. Noch in dieser Woche soll das Programm vorgestellt werdenn. Diesmal soll nur an einem Tag gefeiert werden. Bei der mehrtägigen Premiere im vorigen Jahr hatte ein Unwetter zur Absage eines Konzerts gezwungen. „Bei der Neuauflage wird es nun kein großes Konzert mehr geben“, erklärte Günter Wieneke, Leiter des städtischen Veranstaltungsmanagements. Er will über Birlikte 2015 noch nichts verraten. „Die Veranstaltung wird aber den gleichen Raum im Umfeld der Keupstraße einnehmen, wie bei der Premiere“, sagte Wieneke (Kölnische Rundschau).

Salzburg: Mit Nazi-Code gegen Rechtsextreme

Mit der Aktion #88gegenrechts! mobilisiert die Salzburger Stadtregierung gegen die Serie rechtsextrem motivierter Zerstörungen und will den Neonazis öffentlich Paroli bieten. In der Sprache der Psychotherapie nennt man das wohl paradoxe Intervention: Ausgerechnet mit der Zahl 88 - dem Neonazicode für "Heil Hitler" - mobilisiert die Salzburger Stadtregierung gegen Rechtsextremismus und Neofaschismus. Mit der Aktion #88gegenrechts! reagiert die Stadtregierung auf die inzwischen kaum mehr überschaubare Zahl an rechtsextrem motivierten Straftaten der vergangenen eineinhalb Jahre. "Was passiert ist, ist uns alle in Mark und Bein gefahren", sagt Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) zu der Serie rechtsextremer Akte. Die Liste ist lang: Sie reicht von der Beschmierung von Stolpersteinen über Angriffe auf die Synagoge, Schmieraktionen gegen das Mahnmal für die Opfer der NS-Zeit am Kommunalfriedhof bis zur Zerstörung des Mahnmals für die Euthanasieopfer. Erst vor wenigen Tagen wurde ein Glaskubus an der Staatsbrücke eingeschlagen. Dieser erinnert an Zwangsarbeiter, die zum Brückenbau gezwungen worden waren. 88 Prominente unterstützen Aktion, die vor allem als Social Media Kampagne konzipiert ist (DerStandard).

Stuttgart: NSU-Ausschuss will Journalisten befragen: Auftakt gestaltet sich zäh

Neuer Anlauf für die Wahrheit: Der NSU-Ausschuss soll aufklären, was das Neonazi-Trio im Südwesten tat und ob es Pannen bei Behörden gab. Als erste Zeugen werden Journalisten und Autoren geladen. Ein Zeichen der Hilflosigkeit? (swp)

Bahrays Beerdigung in Berlin: Der falsche Täter

Die Solidarität der linken Szene mit dem ermordeten Khaled Idris Bahray hat schlagartig abgenommen. Zur Beerdigung kamen nur 250 Menschen. Eine Woche zuvor waren noch 3.000 in Berlin auf die Straße gegangen (taz).

Jeder einzelne Flüchtling hat etwas zu bieten

Zwei Studentinnen von der Initiative "Geflüchtete Menschen" und zwei Flüchtlinge sprechen über die Lage von Asylsuchenden in der Stadt Mönchengladbach mit der Rheinischen Post.

Rassistische Fantasien: Wie sich ein Vermieter bei Dresden gegen Asylbewerber in der Nachbarschaft wehrt

Wehrsdorf in Sachsen ist ein beschauliches Dorf zwischen Dresden und Görlitz. Etwas mehr als 1770 Einwohner leben hier. Es gibt eine Barockkirche zu bestaunen, einen historischen Friedhof und ein gut erhaltenes Ensemble an historischen Bauern- und Weberhäusern. Als Tourismusort ist es beliebt - doch ein örtlicher Vermieter fürchtet, es könne damit vorbei sein, wenn zukünftig 96 Flüchtlinge in Wehrsdorf leben. Auf seiner Internetseite ergeht sich der Vermieter in übelsten rassistischen Fantasien, wie das Leben dann sein wird. Zitat u.a.: "Ein Schwarm Asylanten ist vielleicht ähnlich wie ein Schwarm Tauben. Immer auf der Suche nach Essbarem, nicht unterscheidbar, nicht greifbar und nicht zu zähmen oder Regeln zu unterwerfen." Im Ort ist der Mann beliebt (Huffington Post).

Hamburg: Olaf Scholz will Flüchtlingsheim in Harvestehude durchsetzen

Das Verwaltungsgericht hat die geplante Unterkunft in Harvestehude gestoppt. Die SPD-Spitze will unbedingt an dem Bau festhalten. Der Intendant und Anwohner Joachim Lux hielt ein flammendes Plädoyer (HA).

Premier League: Englands Fußball hat ein Rassismus-Problem

Einige Fälle in den vergangenen Monaten machen deutlich: Der Rassismus ist aus Englands Fußball noch lange nicht verschwunden. Den Fall Torben Aakjaer hat Manchester United schnell gelöst. Aakjaer war einer der besten Scouts des englischen Vereins, hatte viele Talente verpflichtet. Der „Guardian“ deckte jedoch auf, dass der Däne in sozialen Medien mehrfach Muslime und Migranten aus Osteuropa rassistisch beschimpft hatte. So jemanden wollte United nicht mehr haben – und löste Aakjaers Vertrag auf. Aakjaer ist jedoch kein Einzelfall. Immer wieder taucht Rassismus im englischen Fußball auf. Etwa bei Malky Mackay. Im August 2014 wurden einige Mails und SMS des früheren Cardiff-Trainers veröffentlicht, die den finsteren Teil seines Charakters enttarnten (Tagesspiegel).

Grünen-Kandidatin tritt bei Rechtsextremen auf

Ex-Bürgerschaftsvizepräsidentin Nebahat Güçlü sprach im Wahlkampf bei einer türkischen Organisation, zu der auch die gefürchteten "Grauen Wölfe" gezählt werden. Nun droht ihr der Parteiausschluss (HA).

Griechenland: Linkspartei Syriza schmiedet Regierungsbündnis mit Rechtspopulisten

Regierungswechsel im Eiltempo: Nur einen Tag nach der Parlamentswahl in Griechenland ist der Machtwechsel in Athen perfekt. Stunden nach seinem historischen Wahlsieg schmiedete Syriza-Chef Alexis Tsipras ein umstrittenes Regierungsbündnis mit den rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen. Die Linkspartei hatte die absolute Mehrheit im Parlament knapp verpasst und ist deshalb auf einen Juniorpartner angewiesen. Der 40-Jährige Tsipras, der bereits als neuer Ministerpräsident seinen Amtseid ablegte, versprach, die Interessen des hoch verschuldeten Euro-Krisenlandes zu wahren. Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis kam Syriza auf 36,3 Prozent der Stimmen und 149 Sitze im neuen Parlament. Die absolute Mehrheit von 151 der 300 Sitze verfehlte die Partei knapp. Die Rechtspopulisten mit Parteichef Panos Kammenos verfügen im Parlament mit 4,8 Prozent über 13 Mandate. Gemeinsamer Nenner beider Parteien ist die strikte Ablehnung der Sparprogramme und die Forderung eines Schuldenerlasses durch die internationalen Kreditgeber. Die rechtsextreme und ausländerfeindliche Goldene Morgenröte kam mit 6,3 Prozent und 17 Sitzen auf die drittstärkste Partei in Griechenland. Ihre Parteispitze hatte den Wahlkampf aus dem Gefängnis geführt. Wegen der Gründung einer kriminellen Vereinigung sitzen zahlreiche Funktionäre in Untersuchungshaft (SZweb.de)

drucken