06.11.2013 ... Presseschau

Nach den Rechten sehen: Wohnungseigentümer gegen Flüchtlinge +++ Zentralrat Deutscher Sinti und Roma: "Niemand hat der Hetze Einhalt geboten" +++ Tochter des Dortmunder NSU-Opfers sagt schluchzend aus

Die tägliche Presseschau von netz-gegen-nazis.de

Wohnungseigentümer gegen Flüchtlinge

Eine Stadt bringt Asylsuchende in Mehrfamilienhaus unter – Nachbarn und Nachbarinnen ziehen vor Gericht. Kein Verständnis hat Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) für Wohnungseigentümer, die keine Asylsuchenden und keine Wohnungslosen im Haus haben wollen. Er spricht von "verstecktem Rassismus". (Taunus Zeitung)

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma: "Niemand hat der Hetze Einhalt geboten"

64 Prozent der Deutschen lehnen Sinti und Roma als Nachbarn laut einer Studie ab. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma übt nun scharfe Kritik an den Medien. Sie würden alte Vorurteile befeuern. (Welt Online, Spiegel Online)

Tochter des Dortmunder NSU-Opfers sagt schluchzend aus

Im NSU-Prozess haben am Dienstag die Ehefrau und die Tochter des in Dortmund ermordeten Mehmet Kubasik als Zeugen ausgesagt. Dabei kämpfte Tochter Gamze mit den Tränen. Wir waren bei der Verhandlung im Münchener Gerichtssaal. Ein Protokoll des Prozesstags. (Der Westen, Berliner Zeitung, Thüringer Allgemeine Zeitung, Focus Online) Der Verteidiger von Ralf Wohlleben trennt bei übler Nachrede zwischen deutschen und türkischen Mitbürgern. Nun darf er das nicht mehr sagen. (taz) Unterdessen berichtet eine Zeugin NSU-Prozess, sie habe 2006 kurz vor dem Mord an dem türkischstämmigen Kioskbesitzer Mehmet Kubasik unweit des Tatorts zwei verdächtige Männer beobachtet. Sie habe damals schon gesagt, die beiden hätten "wie Junkies oder Nazis" ausgesehen. (Focus Online, Mittelbayrische Zeitung, Thüringer Allgemeine Zeitung) Währenddessen wollen die demokratischen Parteien in Mecklenburg-Vorpommern Konsequenzen aus der Mordserie des rechtsextremen Terror-Trios NSU ziehen. SPD und CDU, Linke und Grüne fordern Veränderungen bei Polizei, Justiz und Verfassungsschutz. Ziel müsse es sein, dass die Ermittlungsbehörden die Gefahren des rechten Terrors besser erkennen. (NDR Online)

Hamburg: Neues Programm gegen Rechtsextremismus

Der Hamburger Senat hat am Dienstag ein Landesprogramm gegen Rechtsextremismus beschlossen. Dafür steht für das Jahr 2014 rund eine halbe Million Euro zur Verfügung. "Unsere Stadt ist nicht die Hochburg des Rechtsextremismus in Deutschland, aber wir müssen überall wachsam sein und ihm auf Dauer den Nährboden entziehen", sagte Sozialsenator Detlef Scheele (SPD). (NDR Online, Hessen Tageblatt, taz)

NW-Berlin: das Ende eines Labels

In den letzten Jahren hat sich das Netzwerk "Nationaler Widerstand Berlin" ("NW-Berlin") zum wichtigsten rechtsextremen Aktionszusammenhang in Berlin entwickelt. Neben der NPD und einigen kleinen, oft nur temporär als Label genutzten Zusammenschlüssen war "NW-Berlin" der einzige Zusammenhang, der kontinuierlich Aktionen und Kampagnen durchführte, über einen langen Zeitraum eine ständige Präsenz im Internet betreute und eine dauerhafte Diffamierungs- und Bedrohungskampagne gegen Antifaschist/innen, linke, grüne oder sozialdemokratische Politiker/innen, kritische Journalist/innen oder einfach nur engagierte Bürger/innen durchführte. (Mobile Beratung gegen Rechts Berlin)

Kirche nimmt Lampedusa-Flüchtlinge auf

Neue Heimat Frankfurt: 22 Flüchtlinge kommen von der italienischen Insel Lampedusa in die Nordweststadt und finden in der evangelischen Kirchengemeinde Cantate Domino eine Zuflucht. Viele der Asylsuchenden haben "die Hölle" hinter sich, so erzählen sie. (Frankfurter Rundschau)

Nach drei Jahren Ermittlungen: Anklage nach Hackerangriff auf Gedenkstätten-Websites

Mehr als drei Jahre nach dem Hackerangriff auf die Internetseiten der KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora ist gegen einen Verdächtigen Anklage erhoben worden. Wie Hannes Grünseisen von der Staatsanwaltschaft Erfurt "MDR Thüringen" sagte, wird dem 31-Jährigen Volksverhetzung und Computersabotage vorgeworfen. (MDR Online)

Verurteilter Nazirocker trat in Fürth auf

Wie erst vor kurzem bekannt wurde, trat Michael Regener, der ehemalige Sänger der 2003 verbotenen Nazirockgruppe "Landser", am 17.10. im Landkreis Fürth auf einem, konspirativ organisierten, Konzert auf. Organisiert wurde der Liederabend vom "Freien Netz Süd" (FNS). (Zeit Online) Einige Tage später soll Regener auch in der Manheimer Schützenhalle bei einem "Balladenabend" vor Besucherinnen und Besuchern aus dem rechtsextremen Umfeld aufgetreten sein. (Kölner Stadtanzeiger)

Oberfranken kämpft gegen Rechtsextremismus

Das oberfränkischen Regnitzlosau leidet darunter, dass sich Rechtsextreme im Ort treffen. Kirche und Kommune finanzieren deshalb die Stelle einer Diakonin, die den Rechten die Stirn bieten soll. (Welt Online, Nordbayern.de) Gegen Rechts wird auch im sächsischen Chemnitz gekämpft. Das Bündnis "Bunter Brühl" gedenkt den NSU-Opfern anlässlich des Auffliegens der Terrorzelle NSU vor genau zwei Jahren. Dabei versammelten sie sich vor dem ehemaligen "Brevik"-Laden, in dem Kleidung für Rechtsextreme verkauft wurde. Nebenbei weihten sie das Schild "Geöffnet von 1933 – 1945" wieder ein. (Endstation Rechts)

Wem gehören die teuren Kunstwerke?

Woher stammen die in München entdeckten Gemälde? Die Behörden sind dabei, ihre Eigentumsrechte zu klären. Möglicherweise gehen sie wieder an den Rentner, der sie hortete. (Zeit Online, Salzburger Nachrichten) Es gibt jedoch weit mehr Geschichten zu erzählen als die vom wiedergefundenen Nazi-Schatz. Von der Enteignung jüdischer Künstler, Händler und Sammler bis zum letzten Aufbäumen der Geschichte des Dritten Reiches. (Sueddeutsche.de)

Interview zu "Frauen im Rechtsextremismus" mit Reinhard Koch

Am 14. November findet in Lingen eine Fachtagung "Frauen im Rechtsextremismus" statt. Reinhard Koch, Leiter der Arbeitsstelle "Rechtsextremismus und Gewalt" in Braunschweig hat die Veranstaltung mit vorbereitet: "Frauen und Mädchen spielen in der rechtsextremen Szene eine immer größer werdende Rolle." (Neue Osnabrücker Zeitung)

Lesum: Erinnerung an Nazi-Morde vor 75 Jahren

Sie kamen in den frühen Morgenstunden des 10. Novembers 1938, holten ihre Opfer aus dem Bett und erschossen sie auf Befehl des damaligen Lesumer Bürgermeisters Fritz Köster. In der Reichspogromnacht wurden das Burgdammer Arzt-Ehepaar Adolph und Martha Goldberg sowie der Platjenwerber Monteur Leopold Sinasohn von Nazi-Schergen ermordet. Am Wochenende wird daran erinnert. (Weser Kurier) Auch in Herne gestalten Schulen der Stadt die Gedenkveranstaltungen für die Opfer der Nazi-Gewaltherrschaft. Hauptthema sind die Synagogen. (Der Westen)

Rassismus in Marokko: Schwarze Menschen fürchten Angriffe

Ein Tag der Trauer für die senegalesische Gemeinde in Marokko. Am 12. August wird ein 31-Jähriger aus ihrer Mitte am Busbahnhof der marokkanischen Hauptstadt Rabat erstochen. Motiv ist laut Ermittlern ein Streit mit einem Einheimischen um einen Sitzplatz. Das Verbrechen sehen viele als Zeichen für den wachsenden Rassismus in Marokko. Schwarze Einwanderer fühlen sich auf einmal bedroht. (Rheinische Post Online, Stuttgarter Zeitung)

drucken