26.01. – 02.02.2015

70. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung: Profifußball setzt Zeichen zum Gedenken +++ "!Nie wieder" – Fankurven setzen Zeichen der Erinnerung +++ Legida verbreitet Stimmung wie zum "Reichsparteitag" – offene Bekenntnis zu Hooligans +++ Duisburg: MSV-Hooligans bei Pegida-Demo +++ "Kögida" gibt auf und will alle Demos in Köln absagen +++ "Hannover ist bunt": Bundesligist Hannover 96 engagiert sich gegen Rassismus +++ 1899 Hoffenheim positioniert sich klar gegen Rechts +++ 1. FC Union Berlin: Eroll Zejnullahu: Vom Asylbewerber zum Fußballprofi +++ Sexistische Aktivitäten bei Twitter: Verband sperrt Huth für zwei Spiele +++ Hooligans: Lauschangriff gegen Hooligans? NRW prüft schärfere Maßnahmen +++ Old Firm Celtic Glasgow vs. Glasgow Rangers - Explosiver Hass +++ Eine erste Tür zur Integration geöffnet +++ Israelische Fußballtrainer kicken mit afrikanischen Flüchtlingskindern +++ Tipp der Woche: Zehnte Verleihung des Julius Hirsch Preises: Jetzt bewerben!

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70. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung: Profifußball setzt Zeichen zum Gedenken

70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 setzt der deutsche Profifußball erneut ein Zeichen gegen das Vergessen: Zum Rückrundenstart der Bundesliga vom 30. Januar bis 1. Februar 2015 gedenken Clubs, Ligaverband und DFL im Rahmen des 11. "Erinnerungstages im deutschen Fußball" der Verfolgten des Nationalsozialismus. (Bundesliga.de, DFB.de) An den Spiel- und Turniertagen um den 27. Januar 2015 richtet sich der Blick wieder besonders auf die Mitglieder, die vor 82 Jahren zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft ihre Clubs verlassen mussten. Es waren Spieler, Vorstände, großzügige Förderer und einfache Vereinsmitglieder jüdischer Herkunft und aus den linken politischen Parteien und Organisationen. (Schalke04.de) Zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erinnert auch Hertha BSC. Der Fußball hatte an diesem beispiellosen Verbrechen seinen Anteil. Vereine haben Mitglieder aus ihren Reihen ausgestoßen. Sie hatten keine Rechte mehr. Ihre Würde wurde mit Füßen getreten. Julius Hirsch, einer von nur zwei deutschen Nationalspielern jüdischer Herkunft wurde in Auschwitz ermordet. Heinrich Czerkus, Vereinswart von Borussia Dortmund, Kommunist und Widerstandskämpfer, wurde von der Gestapo ermordet. Kurt Landauer, jüdischer Präsident des FC Bayern, konnte sich mit Hilfe von Freunden in die Schweiz retten. (HerthaBSC.de) Der deutsche Fußball ist sich einig: "!Nie Wieder". (FC Kaiserslautern) Weltweit war am Dienstag an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 70 Jahren erinnert worden. Im Bundestag hielt Bundespräsident Gauck die Gedenkrede, in Auschwitz sprachen ehemalige Häftlinge. In Zeitungen wird über das künftige Erinnern diskutiert. (Tagesschau.de)

"!Nie wieder" – Fankurven setzen Zeichen der Erinnerung

Nicht nur Vereine, sondern auch Faninitiativen nahmen am Tag der Erinnerung teil. Die Faninitiative "Rote Kurve" von Hannover 96 machte u.a. mit einer kleiner Choreografie beim Spiel gegen Nürnberg aufmerksam. (Rotekurve.de) In diesem Jahr erinnerten die FC Bayern Fans im Rahmen des Auswärtsspiels beim VfL Wolfsburg an ein bisher kaum bekanntes Mitglied ihres Vereins – Wilhelm Buisson. Wilhelm Buisson wurde am 17. April 1892 in Emmendingen (Baden) geboren und kam 1913 nach München, um Pharmazie zu studieren, was er mit Unterbrechung durch den 1. Weltkrieg, wo er Militärdienst leistete und mehrfach verwundet wurde, im Jahre 1920 mit Erfolg abschloss. (Südkurvenbladdl)

Legida verbreitet Stimmung wie zum "Reichsparteitag"

Am Freitagabend versammelten sich Anhänger des Leipziger Pegida-Ablegers bereits zum dritten Mal. Trotz schwindender Teilnehmerzahl empfinden Beobachter die Lage als immer angespannter. Offen wird nun gegen Ausländer gehetzt und Hooligans gedankt. (Endstation Rechts)

Duisburg: MSV-Hooligans bei Pegida-Demo

Polizei und Verfassungsschutz haben „durchgezählt“ und untermauern die Aussage von Duisburgs Polizeipräsidentin Elke Bartels, dass die Pegida-Kundgebung nach ihren Worten am vergangenen Montag „rechtsradikal dominiert“ war: Nach Angaben der Polizei kamen zwei Drittel der 300 Pegida-Teilnehmer aus der rechtsextremen Szene und aus Hooligan-Kreisen, darunter viele aus MSV-Fangruppen. (Der Westen)

"Kögida" gibt auf und will alle Demos in Köln absagen

Nach der Absage des Protestmarschs am Mittwoch wurde schon gejubelt. Jetzt steht tatsächlich fest: In Köln soll es in Zukunft keine "Kögida"-Demonstrationen mehr geben. Die Organisation will sich aus der Stadt zurückziehen und alle Demos absagen. Hooligans hatten bei den Demonstrationen in den vergangenen Wochen die Reihen dominiert. (Kölner Stadtanzeiger) "Wir sind das Volk" - das war der Schlachtruf von Pegida in Dresden. Er suggerierte Einigkeit. Doch jetzt ist dieses Volk in Dresden gespalten. Da stehen Kathrin Oertel und ihre Anhänger. Sie wollen einen neuen Verein gründen und sich künftig für mehr direkte Demokratie in Europa einsetzen. Dort, auf Seiten Pegidas steht immer noch Bachmann. Auch wenn er wegen eines Hitlerbildes offiziell zurückgetreten war, zieht er im Hintergrund wohl immer noch die Fäden. Ein Mann, der Flüchtlinge als "Viehzeug" bezeichnet und gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung ermittelt (Der Fall Bachmann). Beste Voraussetzungen für eine Radikalisierung der Bewegung. (Sueddeutsche.de)

"Hannover ist bunt": Bundesligist Hannover 96 engagiert sich gegen Rassismus

Fußball-Bundesligist Hannover 96 engagiert sich im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Unter dem Motto "Hannover ist bunt" wollen die Niedersachsen im Heimspiel gegen Mainz 05 am 3. Februar ein Zeichen setzen. (Focus Online, Sport.de)

1899 Hoffenheim positioniert sich klar gegen Rechts

Bis zum 5. Februar ist jetzt in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena die Ausstellung "Tatort Stadion - Hoffe gegen Rechts". (Rhein-Neckar-Zeitung)

1. FC Union Berlin: Eroll Zejnullahu: Vom Asylbewerber zum Fußballprofi

Jetzt lacht keiner mehr. In der aktuellen Saison kam Eroll Zejnullahu für Union in der Zweiten Liga bereits 13 Mal zum Einsatz. Die Köpenicker haben den Vertrag mit dem 20-Jährigen bis 2018 verlängert. Zejnullahus Familie kam aus dem Kosovo nach Berlin, beim 1. FC Union ist der 20-jährige Mittelfeldspieler ein Vorbild für Flüchtlinge. (Der Tagesspiegel)

Sexistische Aktivitäten bei Twitter: Verband sperrt Huth für zwei Spiele

Zwei Spiele Sperre und eine Geldstrafe: der ehemalige deutsche Nationalspieler und Fußballprofi Robert Huth von Stoke City kommen seine anzüglichen Tweets teuer zu stehen. Der Spieler hatte im sozialen Netzwerk Bilder sexistisch kommentiert. (Spiegel Online)

Hooligans: Lauschangriff gegen Hooligans? NRW prüft schärfere Maßnahmen

Hat der Bundesgerichtshof der Polizei schärfere Waffen im Kampf gegen Hooligans gegeben? NRW-Innenminister Jäger prüft das. Experten warnen. (Der Westen) Anlass ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs, das das Verbot einer Dresdner Hooligangruppe als kriminelle Vereinigung bestätigt und die Strafbarkeit der sogenannten Drittortauseinandersetzungen festlegt. (Fussball-gegen-nazis.de) Nach Informationen von buten un binnen hat sich die rechte Hooligangruppe "Standarte Bremen" nach 25 Jahren selbst aufgelöst. Grund dafür könnte ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom Donnerstag sein. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hat nach dem Urteil nun angekündigt, dass er gegen die Mitglieder von Hooligan-Vereinigungen Ermittlungsverfahren einleiten lassen will. (Radio Bremen)

Old Firm Celtic Glasgow vs. Glasgow Rangers - Explosiver Hass

Dass es am Wochenende zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Rangers- und Celtic-Fans kommen wird, ist so gut wie unvermeidlich. Bei der Rivalität zwischen den zwei Klubs geht es schließlich nicht nur um Fußball. Es geht auch um Religion: Celtic war traditionell der Verein der Katholiken, Rangers jener der Protestanten. Es geht auch um Politik: Celtic, Trikotfarbe Grün-Weiß, hat starke Verbindungen zu Irland, die rot-weiß-blauen Rangers zum Vereinigten Königreich. Eigentlich haben diese alte Streitigkeiten für viele Fans längst an Relevanz verloren. Der Hass ist aber geblieben. 2011 gab es beim Derby 257 Festnahmen und damit einen neuen Rekord. Der Daseinszweck beider Klubs war immer vor allem, den anderen zu hassen. (Der Tagesspiegel)

Eine erste Tür zur Integration geöffnet

Die Fußball-Abteilung des SV Villenbach hat für die kürzlich angekommenen Asylbewerber im Ort eine erste Türe zur Integration geöffnet. Mit 13 fußballbegeisterten Neuankömmlingen und den SVV-Fußballern wurde gemeinsam ein Fußballabend in der Soccerhalle in Gersthofen organisiert. Die Kosten für Fahrt und Hallenmiete übernahmen die SVV-Aktiven der ersten Mannschaft selbst. (Augsburger Allgemeine)

Israelische Fußballtrainer kicken mit afrikanischen Flüchtlingskindern

Eine Delegation israelischer Fussballtrainer hat ein entlegenes Flüchtlingslager in Kamerun besucht. Dort leben einige Tausend Kinder, die wegen der anhaltenden Gewalt ihre Heimat, die Zentralafrikanische Republik, verlassen mussten. Ausgestattet mit Fußbällen und Tornetzen, versuchten die Trainer etwas Freude ins Leben dieser Kinder zu bringen. Viele von ihnen sind durch den brutalen Krieg in ihrem Heimatland traumatisiert. (Israelheute.com)

Tipp der Woche: Zehnte Verleihung des Julius Hirsch Preises: Jetzt bewerben!

Natürlich ist Fußball zuerst einmal ein packendes Spiel und die allerschönste Nebensache. Daneben aber kann Fußball für Botschaften einstehen, für Werte kämpfen, für Gemeinschaft werben. Fußball kann ein Bollwerk sein. Genau darum geht es beim Julius Hirsch Preis, den der Deutsche Fußball-Bund gemeinsam mit der Familie und im Namen des 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportierten deutschen Nationalspielers seit 2005 jährlich verleiht. In diesem Herbst in Leipzig verleiht der DFB zum zehnten Mal den Julius Hirsch Preis. (DFB.de)

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