Hitlers Kriegsschuld

Sie ist neben der Holocaust-Leugnung die beliebteste Lüge der Neonazis: Das nationalsozialistische Deutschland sei in den Krieg gezwungen worden. Die Deutschen – so die Behauptung der rechtsextremen Geschichtsfälscher – trügen keine Schuld an all dem Elend und Leid, das der Krieg gebracht hat.

Hinzu kommt oft eine Behauptung, die zugleich die Judenvernichtung rechtfertigen soll: "Die Juden haben die Deutschen angegriffen, wir mussten uns wehren." All das trifft nicht zu: Die Nationalsozialisten haben den Eroberungskrieg geplant und begonnen.

Hintergrund: Die gesamte nationalsozialistische Ideologie kreist um den Krieg als gleichsam natürliche Form der Auseinandersetzung. Seit 1919 haben die Anführer der nationalsozialistischen Bewegung in Büchern und Versammlungsreden den Deutschen weisgemacht, sie seien ein "Volk ohne Raum", das auf Grund einer angeblichen rassischen Höherwertigkeit zum Krieg berechtigt sei. Hitler hatte für "pazifistische Schwächlinge" nur Verachtung übrig. Fakt ist, dass Deutschland nach der Machtübernahme von Hitler aus dem Völkerbund ausgetreten ist und die Mitarbeit in der Genfer Abrüstungskonferenz beendet hat. Zeitgleich setzte Hitler die Aufrüstung in Gang. 1938, nachdem ihm Frankreich und England im Münchner Abkommen die sudetendeutschen Gebiete der Tschechoslowakei überlassen hatten, um einen Krieg abzuwenden, bedauerte Hitler, dass der von ihm gewollte Krieg verhindert worden war. Kaum ein Jahr später verwirklichte er seine Kriegspläne und griff am 1. September 1939 Polen an.

Zur Debatte: Die NPD instrumentalisiert die Bombardierung deutscher Großstädte, um die Kriegsschuld Deutschlands zu leugnen. Ingo Stawitz zum Beispiel, ein prominentes NPD-Mitglied, mutmaßte vor einiger Zeit, dass es die polnische Regierung gewesen sei, die damals Verhandlungen mit Deutschland auf Druck der USA und Englands abgebrochen habe. Die deutsche Kriegsschuld wird in vielen revisionistischen Veröffentlichungen geleugnet. Das bekannteste Werk ist Der erzwungene Krieg des Pseudohistorikers David Hoggan. Die rechtsextreme Monatszeitschrift Unabhängige Nachrichten zählt zu den offensivsten kriegsleugnerischen Neonazi-Publikationen. Rechtsextreme verbreiten die Behauptung, es habe antideutsche Drahtzieher gegeben, die darum bemüht gewesen seien, die nach dem Ersten Weltkrieg wieder erstarkte deutsche Großmacht als wirtschaftlichen und politischen Konkurrenten auszuschalten. Die ganze rechtsextreme Argumentation zielt darauf ab, Deutschland als Opfer zu inszenieren und von jeglicher Schuld zu rein zu waschen.

Zum Thema

| Hermann Graml über den lang geplanten Krieg von Adolf Hitler

| Die Lüge über Hitlers und Goebbels Friedensbereitschaft

Literatur

| Das Buch Europas Weg in den Krieg. Hitler und die Mächte 1939 von Hermann Graml (München 1990)

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